H Armut und Soziale Sicherheit

Indikator

H10

Kinderbetreuungsgeld

Gleichstellungsziel 3

Zugang zu Sozialleistungen für Frauen

Die 2016 zur Auswahl stehenden fünf Varianten des monatlichen Kinderbetreuungsgeldes überlassen die Entscheidung den Eltern, ob sie eine kürzere und höhere finan-zielle Unterstützung oder aber eine längere und dafür niedrigere Unterstützung wählen, ebenso wie die Entscheidung, wieweit sich die Eltern die Kinderbetreuungszeit und damit das Kinderbetreuungsgeld teilen. Wenn die Mutter oder der Vater allein das Kinderbetreuungsgeld beansprucht, verfällt jedenfalls der Anspruch der Partnerin oder des Partners.

2016 war die am häufigsten gewählte Art des Kinderbetreuungsgeldes die 20+4 Variante, die eine Berufsunterbrechung oder Berufseinschränkung von maximal 20 Monaten eines Elternteils und von mindestens vier Monaten für den zweiten Elternteil vorsieht (Anteil 32%). Mit der damit gewährten Unterstützung von ca. Euro 624,- monatlich liegt diese deutlich unter der Armutsgrenze. Die zweithäufigste Variante ist mittlerweile das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld mit einer Unterstützungsdauer von bis zu zwölf Monaten für einen Elternteil und mindestens zwei Monaten für den zweiten Elternteil mit 80% der Letzteinkünfte (bis maximal Euro 2.000,-), was (meist) mit einer höheren Existenzsicherung und kürzeren Berufsunterbrechungen verbunden ist. Gleichzeitig ist der Anteil der 30+6 Variante mit nur Euro 436,- Unterstützung pro Monat von 28% auf 22% gesunken. Die beiden kürzeren Pauschalvarianten 15+3 Variante und 12+2 Variante werden von jeweils 10% der Eltern gewählt.

In all diesen Varianten bleibt der Männeranteil der Kinderbetreuungsgeld-BezieherInnen niedrig und werden 92% des Kinderbetreuungsgeldes an Frauen ausbezahlt. Bei den kürzeren und finanziell besser abgesicherten Varianten liegt der Männeranteil etwas über einem Zehntel. Bei den längeren Pauschalvarianten bleibt der Männeranteil lediglich bei 7%. Dieser geringe Männeranteil ist sowohl auf die geringere Inanspruchnahme von Männern als auch die kürzere Dauer des Kinderbetreuungsgeldbezuges zurückzuführen. Weniger als ein Drittel der Väter (30%) nimmt zumindest zwei Monate Kinderbetreuungsgeld (in allen Varianten) in Anspruch; bei den kürzeren Varianten ist dies etwas mehr als ein Drittel, bei den längeren Varianten nur noch rund ein Viertel.

Zwischen 2013 und 2016 hat sich die Inanspruchnahme der KBG-Varianten leicht verändert, dagegen die Geschlechterbeteiligung an KinderbetreuungsgeldbezieherInnen jedoch kaum. Wie eingangs beschrieben, hat das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld nachteilig hinsichtlich 30+6 Variante an Bedeutung gewonnen, an der geringen Männerbeteiligung von 8% hat dies allerdings nichts verändert. Insgesamt ist zwar die Väterbeteiligung von 29% auf 30% leicht gestiegen, aber längere Berufsunterbrechungen oder Einschränkungen der Arbeitszeit für die Betreuung von Kleinkindern bleiben mit wenigen Ausnahmen Frauensache wie damit auch die finanzielle Abhängigkeit während dieser Phasen vom Einkommen der PartnerInnen bei den längeren Pauschalvarianten. Dies betrifft jedenfalls 72% der Frauen, die ein Kinderbetreuungsgeld der 30+6 Variante bzw. der 20+4 Variante erhalten.

Gleichstellungsziel 3

Zugang zu Sozialleistungen für Frauen

Anmerkung 3

Bedarfsgemeinschaften decken sich weitgehend mit Haushalten; in einem Haushalt sind aber auch mehrere Bedarfsgemeinschaften möglich. So können beispielsweise eine 50-jährige Mutter und ihr 30-jähriger Sohn zwei Bedarfsgemeinschaften bilden.

Anmerkung 4

Die BMS-BezieherInnen werden hierin mit der Wohnbevölkerung nach Haushaltskonstellation in Beziehung gesetzt. Dabei können Verzerrungen auftreten, weil Bedarfsgemeinschaften nicht immer mit Haushaltskonstellationen übereinstimmen s. Fußnote 3.