H Armut und Soziale Sicherheit

Indikator

H4

Armut und Partizipation

Gleichstellungsziel 2

Erhöhte Partizipation von Armut betroffener Frauen

Wie im Wiener Gleichstellungsmonitor 2013 veranschaulicht wurde, führt Armut nicht nur zu materiellen Einschränkungen in der Lebensführung, sondern verringert auch kulturelle, zivilgesellschaftliche und politische Partizipation.

Die Exklusion armutsgefährdeter Wienerinnen auf basis des Frauenbarometers 2015 wird mit der Leistbarkeit unterschiedlicher Aspekte der Lebensführung, die auch für die Einschätzung der finanziellen Deprivation verwendet werden, deutlich. Von den abgefragten Aspekten finanzieller Einschränkungen stellen größere, aber notwendige medizinische Selbstbehalte und ein jährlicher einwöchiger Urlaub die größten Herausforderungen dar. Für ein Drittel der nicht armutsgefährdeten Wienerinnen ist dies nicht problemlos möglich, für 38% der armutsgefährdeten Wienerinnen ist dies manchmal und für 42% öfter nicht möglich. Armut bedeutet aber für mehr als die Hälfte der Befragten Probleme beim Kauf nötiger Kleidung. Selbst alltägliche Dinge wie das Heizen der Wohnung stellen für einen erheblichen Teil der armutsgefährdeten Frauen eine finanzielle Unmöglichkeit dar. So zeigen sich außerdem soziale Einschränkungen, wenn beispielsweise knapp ein Drittel der Armutsgefährdeten FreundInnen oder Verwandte nicht problemlos zu Hause zum Essen einladen kann, was zu sozialer Deprivation führen kann.

Vergleicht man das politische Engagement von Frauen für die Kategorien Mitarbeit in politischen Parteien, bei BürgerInneninitiativen, Angeboten der Stadt Wien oder in Vereinen, so zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen armutsgefährdeten und nicht armutsgefährdeten Frauen: Während zwei von fünf nicht armutsgefährdeten Frauen Erfahrung in der politischen Mitarbeit aufweisen, ist dies unter armuts- gefährdeten Frauen lediglich etwas mehr als ein Viertel. Noch größer fällt der Unterschied bezüglich des vorstellbaren politischen Engagements aus. Aber auch hierbei ist zu berücksichtigen, dass Armutsgefährdung mit Merkmalen wie niedriger Bildung, geringer Erwerbsbeteiligung, verstärkter Belastung durch unbezahlte Arbeit einhergeht, die zudem ohne finanzielle Einschränkungen Hemmnisse politischer Aktivitäten darstellen. Damit sind armutsgefährdete Frauen in politischen Prozessen weniger stark repräsentiert.

Gleichstellungsziel 2

Erhöhte Partizipation von Armut betroffener Frauen

Anmerkung 2

Dabei ist zu berücksichtigen, dass das äquivalisierte Nettohaushaltseinkommen aufgrund des Befragungskonzepts von den Befragten überschätzt wurde (s. Zandonella, Larcher 2015, S. 76).