J Umwelt und Mobilität

Resümee

Frauen und Männer sind teilweise unterschiedlich von Umweltproblemen betroffen, damit wirken auch Frauen und Männer verschieden an der Gestaltung und Lösung ökologischer Probleme mit. Frauen werden in der Umweltforschung als umweltbewusster und engagierter für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen gesehen (vgl. Littig 2013). Dies gilt sowohl für umweltbewusstes Handeln im Haushalt und beim Einkauf in ihrer stärkeren Zuständigkeit für den Haushaltsbereich und Betreuungsarbeiten, wie auch beim Mobilitätsverhalten, als ein zentraler Anwendungsbereich von Nachhaltigkeitspolitik. Mobilität ist zugleich eine Ressource, die die gesellschaftliche und ökonomische Partizipation von Frauen und Männern mitbestimmt. Mobilität durch die Nutzung eines Privatautos dahingehend zwar Umweltprinzipien entgegen, spart jedoch gleichzeitig Zeitressourcen bzw. erhöht und ermöglicht überhaupt (flexible) Mobilität.

Die Entwicklung der Gleichstellungsziele im Bereich Umwelt und Mobilität ist allerdings schwierig statistisch zu erfassen, da für viele Indikatoren keine kontinuierlichen Erhebungen bestehen und damit Entwicklungen nur partiell beobachtet werden können.

Anteil der Frauen mit kritischer Umwelteinschätzung steigt

Die betrachteten empirischen Daten verweisen darauf, dass Frauen umweltkritischer und umweltfreundlicher sind als Männer. Gerade bei Frauen mit Kindern und höherer Bildung ist der Anteil derjenigen, die ihre Umwelt gesundheitsschädigend sehen, höher als bei Männern: 38 % der Frauen und 33 % der Männer mit Hochschulabschluss sowie 46 % der Frauen und 30 % der Männer, die in Haushalten mit Kindern leben, sehen ihre Umwelt nur wenig oder mittelmäßig gesund. Anhand der Gesundheitsbefragung im Jahr 2006/07 bis 2014 ist der Anteil der kritischen Umwelteinschätzungen von Frauen von 40 % auf 43 % gestiegen, jener von Männern hingegen von 36 % auf 32 % gesunken. Diese Divergenz zwischen Frauen und Männern kann sowohl auf unterschiedliche Reflexionen der eigenen Umwelt, Bildungshintergrund oder subjektiven Einschätzungen zurückzuführen sein. Die differenziertere Einschätzung zu Störungen durch Umweltaspekte, die für den ersten Gleichstellungsmonitor mit Daten aus der SOWI II Erhebung analysiert wurde, ist mangels aktueller Daten nicht direkt vergleichbar.

Frauenanteil in höheren Ausbildungen im Umweltberuf steigt – allerdings ohne Anstieg des Frauenanteils in höherqualifizierten Green Jobs

Das steigende Interesse am Umweltbereich von Frauen spiegelt sich auch in einem zunehmenden Frauenanteil in Ausbildungen im Bereich Umwelt wider. Entsprechend des Frauenanteils in Tertiärausbildungen im Bereich Umwelt machen Frauen zunehmend höhere Ausbildungen im Umweltberuf. Ihr Anteil an Studierenden ist zwischen 2012 und 2015 von 29 % auf 31 % gestiegen. Damit sind Frauen in zukunftsträchtigen Umweltberufen zwar immer noch unterrepräsentiert aber ihr Anteil steigt kontinuierlich. In den technisch ausgerichteten Studien wie Green Buildung ist der Frauenanteil 21%, in Kulturtechnik und Wasserwirtschaft 22% und bei urbanen erneuerbaren Energietechnologien 16% im Bachelorstudium und 10% im Masterstudium, damit bleibt der Frauenanteil weiterhin gering, während bereits vier Fünftel der Absolventinnen von Studien für Umweltpädagogik Frauen sind.

Im Beschäftigungsbereich Umwelt, den Green Jobs, ist jedoch der Frauenanteil leicht gesunken (von 39% auf 38%), vor allem im Bereich freiberuflicher Tätigkeiten im Umweltbereich (von 29% auf 24%). Damit haben Frauen weiterhin eingeschränkten Zugang zu hochqualifizierten und zukunftsträchtigen Umweltberufen und können ihre Ausbildungen im Umweltbereich schwieriger beruflich verwerten. Dem Ziel der höheren Repräsentanz von Frauen im Umweltbereich wird dadurch kaum näher gekommen.

Unterschiede im Mobilitätsverhalten zwischen Frauen und Männern auch hinsichtlich körperlicher Aktivität beim Zufußgehen und Radfahren

Frauen zeigen sich auch in Hinblick auf die Verkehrsmittelwahl deutlich umweltbewusster als Männer. Städte wie Wien bieten an sich gute Voraussetzungen für die Förderung der Mobilität abseits des Individualautoverkehrs. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes inklusive barrierefreier Zugänge und nutzungsfreundlicher Preispolitik sind Strategien, um den öffentlichen Verkehr für Alltagswege attraktiver zu machen. Diese Politik scheint Frauen stärker anzusprechen als Männer: Am Beispiel der JahreskartenbesitzerInnen an der Wiener Bevölkerung zeigt sich bei Frauen auf bereits höherem Niveau ein stärkerer Anstieg als bei Männern: Gegenüber dem Jahr 2013 ist der Anteil von Frauen mit Jahreskarten von 39% auf 45% im Jahr 2016 gestiegen, der Anteil unter Männern von 28% auf 31%.

Ein Anstieg zeigt sich auch bei der Nutzung von Carsharing als Alternative für den Privatbesitz eines Autos im Zuge des Individualverkehrs. Auch hier konnte durch den Anstieg von Angeboten die Nutzung erhöht werden. Der Frauenanteil ist dabei aber tendenziell von 2013 bis 2015 von 35% bei zipcar-NutzerInnen bei stationärem Carsharing auf 32% gesunken. Bei Free-Floating Carsharing beträgt der Frauenanteil im Jahr 34%. Carsharing wird also weiterhin stärker von Männern genutzt. Gründe dafür können sowohl in der mangelnden Ausstattung für Kindersicherung der Autos liegen als auch daran, dass Frauen entsprechend den betrachteten Zahlen häufiger öffentliche Verkehrsmittel nutzen. In der Evaluierung wird die steigende Nutzung von Carsharing-Angeboten dahingehend interpretiert, dass damit etwa jedes fünfte Privatauto eingespart und vor allem eine überlegtere Nutzung des Autos gefördert wird (HERRY Consult 2015).

Fußwege und Radfahren sind als körperlich aktive Mobilitätsformen für eine umweltschonende Verkehrsmittelwahl von großer Bedeutung. Auch dabei unterscheidet sich das Mobilitätsverhalten von Frauen und Männern. Frauen sind etwas häufiger zu Fuß unterwegs. 13% der Männer und 9% der Frauen geben an, dass sie weniger als einmal pro Woche zumindest zehn Minuten zu Fuß gehen. Hingegen fahren mehr Männer regelmäßig mit dem Rad: 10% fahren täglich 10 bis 20 Minuten mit dem Fahrrad, bei Frauen ist der Anteil 6%.

Dementsprechend ist das Mobilitätsverhalten auch abseits des Privatautos bei Frauen und Männern unterschiedlich. Dies trägt zu einer unterschiedlichen Dauer des Arbeitsweges von Frauen und Männern bei. Der Anteil mit sehr kurzen Arbeitswegen bis 15 Minuten ist bei Männern (28 %) größer als bei Frauen (23 %). Hingegen weist ein Drittel der Frauen (33 %) tägliche Arbeitswege von über 45 Minuten auf (Männer 27 %). Dies hängt sowohl mit der unterschiedlichen Verkehrsmittelwahl, aber wohl auch damit zusammen, dass Frauen den Arbeitsweg mit anderen Tätigkeiten kombinieren.

Anmerkung 1

„No amount of thought or sympathy, no matter how careful or honest, can jump the barriers of experience.“